. Der Fokus liegt diesmal auf dem Revival des Jungle's in Nordamerika um 2000 bis hin zu einem Blick auf die heutige Bewegung. Die Soundbeispiele könnt ihr euch weiterhin auf der
anhören. Viel Spaß beim Lesen!
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JUNGLE STILL ALIVE
Wenn eines bei Musikstilen Gewiss ist, so dass ein Sound irgendwann schnell stagniert, oder dieses zumindest einige Leute so empfinden. Als die Drum'n'Bass Bewegung voran schritt, gab es einige Releases, die versuchten zum alten Jungle Sound von 1995 zurückzukehren. Diese fanden jedoch zunächst durch die Übersättigung mit dem neuen, populären Drum'n'Bass Sound nur wenig Beachtung. Dennoch gab es den kleinen Aufstand von Producern - im Besonderen ein Kollektiv aus Untergrund-Aktivisten in Nordamerika, dass an dem Originalsound festhielt und ihn nicht aufgab. Bastelten sie zunächst still an Tracks und akzeptierten den Drum'n'Bass Sound ihrer Tage, traten sie bald daraufhin in die Öffentlichkeit.
- (e-sassin & r.a.w. - soundstorm) 1997
- (dj 3d - 3d anthem) 1998
- (b-boy3000 - warrior) 1999
Um 2001 begannen Producer aus Kanada, den U.S.A und überall aus der Welt sich über das Internet auszutauschen. Sie fanden dabei eine reichliche Anzahl von Gleichgesinnten, die ihre Tracks mit den "guten alten Jungle Sound" kreierten. Sie spielten diese Tracks, neben den wenigen Platten, die damals erschienen.
- (krinjah - anthem) 2001
- (soundmurderer - limb by limb remix) 2001
Obgleich der Sound ziemlich dem von 1995 ähnlich war, hatte er seinen Charme, da er förmlich etwas Originales war. Die Geschwindigkeit mit 180 bpm befand sich dagegen mit vergleichbaren Drum'n'Bass Releases auf der Höhe der Zeit. Die Veröffentlichungen klangen wie Oldschool Jungle, der vor allem auf gesampelten Breakbeats, Reggae und Hip Hop beruhte und sich ebenso dem Amen Break bediente. Dieser wurde aber nicht nur benutzt, sondern weiter zerlegt und verkleinert wie dieses '96 nicht der Fall gewesen war, als viele Producer den Amen Break abrupt aufgaben. Ebenso quasi als Rache fanden Ragga Vocals und Soundclash Shouts ihren Weg zurück in die Tunes. Das Subgenre entwickelte sich unglaublich. Junge Partygänger, die die Jungle Bewegung in den frühen 90er nicht miterlebt hatten, verlangten nun nach einem Wandel in der Drum'n'Bass Szene. Die großen Drum'n'Bass Labels zeigten dagegen nur wenig Interesse, diese abtrünnigen Producer unter ihren Vertrag zu nehmen.
A NEW SOUND: N2O RECORDS
Mit der Existenz neuer Technologien härtere Drums und Basslines zu manipulieren, standen neue Möglichkeiten zur Verfügung. Es war nicht mehr länger notwendig, auf einfache Samples zurückzugreifen. Drums konnten übereinander gelagert und verstärkt werden... Basslines gekrümt und verdreht. Das Label N2O existierte bereits seit einiger Zeit und zusammen mit dem Sublabel Big Cat nahmen die Labelinhaber eine Reihe "rough-sounding" Künstler wie R.A.W., O.D.G., Capital J, DJ K oder General Malice unter Vertrag. Sie schufen mit dem neuen von Punk und Hardcore beeinflussten Sound sofort Meilensteine. Weitere Labels wie Good Fortune, Ridem, Dub-fi-Dub und Judgement sorgten für eine gute Verbreitung des Stils durch einen riesigen Umfang an Neuerscheinungen.
- (dj 3d - la to ny) 2001
- (bboy 3000 - kill u too) 2002
- (capital j - diss da program) 2003
- (red army audio - kokane) 2003
- (benjie - little stereo) 2003
- (general malice - blaze di chalwa) 2003
- (dj k - respect) 2003
RAGGA-JUNGLE.COM, CANADA & THE EAST COAST

Der Sound der amerikanischen Westküste war rauh, dreckig und verstört. Gewissermaßen zu rauh für die Mehrheit und so trat ein Kreis neuer Produzenten von der Ostküste vornehmlich aus Kanada ans Licht. Debaser, Tester, Rhygin, Sixteenarmedjack, Krinjah, RCola, Jacky Murda und viele andere formten einen frischen, kraftvollen Sound und machten daraus etwas Eigenes. Die Webseite
www.ragga-jungle.com (Bild, rechts) wurde ins Leben gerufen und bekam sofort viel Aufmerksamkeit. Sobald diese neue Bewegung an Schwung gewann, kamen eine Reihe an Soundtüftler aus Europa dazu. 2003 und 2004 entstanden viele neue Labels, die 2005 mit einer großen Anzahl an Releases die Vorreiter dieser neuen Bewegung wurden.
- (debaser - my sound rule) 2003
- (rcola & jackie murda - junglist bandelero) 2003
- (deportee - undercover badbwoy) 2003
THE NEW SOUND DEVELOPMENT

So wie im
N2O Camp ein riesiger Katalog an Releases entstand, so tat es auch die Ragga Jungle Community von der Ostküste. Auf beiden Seiten kamen neue Artists aus Amerika und der ganzen Welt hinzu. Im Jahr 2003 startete N2O ihre "Diss Da Program" Tour (Bild, links), die durch ganz Nordamerika führte. Um 2005 gab es insgesamt rund 50 Labels, die sich diesem Sound widmeten wie X-13, Ten Pound Sound, Press Up, Clash Records, Illegal, Bananas, JungleX, Top Ranking, Jungle Royale, Mashit, Dead Homies, Chopstick, Hand Grenade und viele mehr. Die Releases wurden über die ganze Welt vertrieben - insbesondere nach Europa, wohin regelmäßig hunderte von Platten verschickt wurden.
- (dj c - billie jungle) 2004
- (kgbkid - bawling for soundclash) 2004
- (dj frankus - jungle farmer) 2004
- (sixteenarmedjack - see you smile) 2004
- (tester - ready fi war) 2005
- (O.D.G. - king of the jungle) 2004
- (R.A.W. - oh my god remix) 2004
NEWSCHOOL JUNGLE
Bereits am Beginn der Bewegung prägte N2O den Slogan
leaders of the new sound, um sich auf den neuen Stil dieser Art von Drum'n'Bass zu beziehen. Allerdings war diese Bezeichnung nicht so gut geeignet, um den Stil zu beschreiben. In der Online Community hörte man dagegen oft den Begriff "Jungle" und mit dem Erscheinen von Ragga-Jungle.com, kamen die Namen "North American Jungle" und "Ragga Jungle" hinzu. Obwohl viele Platten auf Reggae Samples zurückgriffen, gab es dennoch viele Neuerscheinungen ohne diesen "Ragga-Anteil" - im Besonderen von N2O Records, die logischerweise nur "Jungle" waren.
Wahrscheinlich durch die Nähe zu England, wo die meisten "Newschool" Drum'n'Bass Platten herauskamen, waren die Leute in Europa vor allem von dem weit entwickelten "Tech-Sound" beeinflusst. Die Anhänger des neuen Sounds aus Nordamerika auf dem europäischen Kontinent unterschieden daher bewusst zwischen beiden Stilen. Sie nannten das eine Subgenre "U.K.-" oder "Tech-Drum'n'Bass" sowie das Andere "Jungle" und feierten komplett getrennte Parties für jeden Musikstil. Manche Parties fanden mit zwei getrennten Floors jeweils einen für Drum'n'Bass und den Anderen für Jungle statt. All dieses führte dazu, dass zwei unterschiedliche Musikstile entstanden.
Im Laufe der Zeit entstanden viele Freundschaften, Webseiten und Vertriebswege. Ab 2005 begannen nordamerikanische Producer durch Europa zu touren, wo sich mittlerweile eine große Fangemeinschaft gebildet hatte. Sie begrüßte den neuen Sound und stand ihm offen gegenüber. Die weltweite Community verband sich immer mehr. - In Europa hatte Jungle den größten Auftrieb. Hier gab es die meisten Impulse für eine Weiterentwicklung des Genres. Nordamerikanische Producer führten das Line-Up als Headliner auf Jungle Parties an. Es schien dabei mehr als natürlich den Begriff "Jungle" für diese Parties zu verwenden, obgleich bekannt war, dass es auch eine Bezeichnung für jenen klassischen Musikstil um 1995 und davor gewesen war. Deshalb kam es zu einer Unterscheidung. Da elektronischer Musik oft der Name "Oldschool" beigefügt wird, wenn auf altes Material in einem Genre zurückgegriffen wird, so bekam der Jungle-Sound von vor 1996 die Bezeichnung "Oldschool Jungle" und führte auf der anderen Seite zum Begriff "Newschool Jungle" oder allgemein nur "Jungle", um die neue Richtung zu benennen.
NEWSCHOOL JUNGLE ist eine Genre elektronischer Musik mit einer Geschwindigkeit um 180 BPM. Es ist ähnlich zu Drum'n'Bass, aber mit dem wesentlichen Unterschied im Stil von Oldschool Jungle (von 1995 und davor) produziert zu sein. Wie Oldschool Jungle basiert Newschool Jungle hauptsächlich auf gesampelten Drumbeats (im Speziellen des Amen Breaks) und auf Reggae, Hip Hop sowie Rave Elementen. Im Gegensatz zu Drum'n'Bass, wo meist ausschließlich synthetische Drums in einen einfachen wiederholenden Muster verwendet werden, benutzt Jungle zerstückelte Ausschnitte von Drumsamples, die unendlich neu und unterschiedlich - oftmals in einem unregelmäßigen Muster wieder und wieder neu zueinander arrangiert werden.
- DRUM & BASS (mindscape & hydro - skid row) 2008
- NEWSCHOOL JUNGLE (superkopter - wonderful land) 2009
Das Genre entwickelte sich in Nordamerika und erlebte seinen Durchbruch um 2002. Es wuchs schnell und verbreitete sich in den nächsten Jahren über Amerika und Europa aus. Obwohl der Begriff "Jungle" anfangs eher lose (und inoffiziell) gebraucht wurde, verankerte sich die Bezeichnung als Überbegriff für das Genre vor allem in Europa um 2005, wo er als klare Abgrenzung von Drum'n'Bass gebraucht wurde. Das Attribut "Newschool" wurde hinzugefügt, um diesen Stil von dem klassischen "Oldschool Jungle" der frühen 90er Jahre zu unterscheiden. In der Umgangssprache ist aber auch nur "Jungle" weiterhin gebräuchlich.
Massive @ Jungle Fest, Moskau, RU
KILLA RECORDS
Newschool Jungle entwickelte sich weiter. Ragga- und Reggae-Elemente bestimmen die meisten Releases des Subgenres. Killa Records dagegen betont das Instrumental, um die Jungle Seite des Sounds weiterzuentwickeln. Viele DJ K Tracks, wenn auch im Ragga Jungle Stil produziert, beziehen keine Ragga Elemente mit ein. Beeinflusst durch Ragga Jungle, Oldschool Jungle und viele Produktionen aus der N2O Zeit, die keine Ragga Samples kannten, gründet DJ K 2003 Killa Records. Die Releases des Labels sind gekennzeichnet durch eine kraftvolle "Tech-Bassline", wie man sie häufig im Drum'n'Bass findet, aber zugleich unüberhörbar produziert mit zerstückelten Amen und Jungle Samples. Mit einem Recordcase voller unveröffentlichten Material in diesem Stil tritt DJ K derzeit regelmäßig überall in Europa auf.
- (dj k - kill or be killed) 2003
- (dj k - suffer) 2004
- (dj k - hostile) 2008
DRUM & BASS TODAY
Unterdessen ist die Entwicklung von Drum'n'Bass auch weiter vorangeschritten. Ein großes Subgenre der letzten Jahre ist "Newschool Junp-Up" ( nicht zu verwechseln mit "Oldschool Jump-Up von '96-'98), welches hüpfende Beats and eine spielerische Bassline in einem dickeren und reiferen Produktionsstil vereint.
- (dj hazard - busted) 2007
"Liquid" setzt den Weg von "Intelligent" Drum'n'Bass mit einem moderneren Produktionsstil fort.
- (bachelors of science - song for lovers) 2008
... und es gibt einige seltsamen Ableger des Genres, die ebenso populär wurden.
JUNGLE TODAY
Mit einer Mehrheit an Producern, die heute aus verschiedenen Teilen Europas - im Besonderen aus dem Osten kommen, erlebt Newschool Jungle und Ragga Jungle derzeit ein Allzeithoch. Durch ein weites Netzwerk, unterstützt durch die vielen Angebote via Myspace, Facebook et cetera, werden viele Dubplates ausgetauscht und auf verschiedenen Webseiten vorgestellt. Crews, DJs und Producer puschen den Sound weiter nach vorne mit frischen Vinyl, Digital Releases, Mixen und Parties. Obwohl der Stil niemals den selben Status wie Drum'n'Bass zu erreichen scheint, hat Jungle eine feste Nische in der elektroischen Musikszene gefunden und gedeiht weiter.
www.raggajungle.biz (Jungle Blog in Englisch mit Dubplate Showcase)
www.overlaod.in (Russische Jungle Seite mit dubplate Showcase)
DISCLAIMER
Natürlich ist ein solcher Artikel nicht frei von einer persönlichen Sichtweise. Deshalb hat DJ K unter seinem Originalartikel folgenden DISCLAIMER eingefügt:
"Ich behaupte nicht, dass der Artikel hundertprozentig genau oder komplett ist (im Besondern wenn ich Produzenten, Labels, Szenen oder Perioden aufzähle). Es ist eine rein subjektive Sichtweise mit dem Ziel dennoch objektiv die Geschichte von meiner Perspektive aus zu erzählen, wie ich sie persönlich über die letzten Jahre erfahren habe. Es ist zur schlichten Information (und vereinzelt zu Aufklärungszwecken) gedacht. Ich habe versucht die Fakten so genau wie möglich darzustellen. Alle Audiofiles sind Eigentum betreffender Labels und Producer. Ich verfüge keine Rechte an diesen Stücken, so dass ich sie hier nur in niedriger Qualität als Beispiele anbiete. Wenn ihr mithelfen möchtet den Artikel zu verbessern, bitte ich um Kommentare, Ergänzungen oder Informationen z.B. falls Fakten und Namen fehlen sollten. Ich danke für jedes Feedback. thirtyoneseconds@gmail.com"
Mit freundlicher Genehmigung von DJ K (Killa Records)